Welche Körnung für Zwischenschliff von Lacken?


Du stehst vor dem Lackieren oder der Zwischenarbeit an einem Möbelstück. Du fragst dich, welche Körnung du für den Zwischenschliff wählen sollst. Das ist eine häufige Frage bei Heimwerkern, Möbelrestaurierern und Einsteigern im Lackierhandwerk. Typische Probleme sind schnell erkannt. Die neue Schicht haftet nicht gut. Glanzunterschiede fallen später sofort auf. Oder es bilden sich Staubeinschlüsse und unschöne Schleifspuren. Solche Fehler kosten Zeit und Material.
In diesem Artikel lernst du praxisnah, welche Körnungen in konkreten Situationen helfen. Du bekommst klare Regeln für Lacke auf Holz, für Zwischenlacke und für Endlacke. Du erfährst, wie du mit einer passenden Körnung die Haftung verbesserst. Du vermeidest sichtbar unterschiedliche Glanzgrade und minimierst Schleifspuren. Außerdem zeige ich dir, wann Handschleifen sinnvoll ist und wann ein Schwingschleifer die bessere Wahl ist.
Am Ende hast du einfache Entscheidungshilfen. Du findest eine Kurzliste mit empfohlenen Körnungen für die üblichen Arbeitsschritte. So kannst du schneller arbeiten und vermeidest Nacharbeit. Wenn du lieber wenig Risiko willst, helfen dir die Praxisbeispiele weiter. Lies weiter, wenn du saubere Ergebnisse ohne Rätsel willst.

Körnungsempfehlungen im Vergleich

Die richtige Körnung entscheidet oft über das Ergebnis. Zu grob schleifen hinterlässt sichtbare Kratzer. Zu fein schleifen verhindert die Haftung der nächsten Schicht. Welche Körnung du wählst, hängt von drei Faktoren ab. Erstens vom Lacktyp. Zweitens vom Ziel des Zwischenschliffs. Drittens vom verwendeten Werkzeug. Die folgende Analyse zeigt typische Bereiche und gibt dir praxisnahe Hinweise. So triffst du schneller eine sichere Entscheidung. Teste bei Unsicherheit an einem Reststück oder an einer unauffälligen Stelle.

Körnung (P) Art des Lacks Ziel des Zwischenschliffs Werkzeuge Hinweise (Nass / Kurzschliff)
180-240 PU, Nitro Grobe Nivellierung. Entfernen von dicken Läufern oder starken Unebenheiten. Exzenterschleifer, Handschleifklotz Trocken. Nur bei ausreichender Schichtdicke. Danach feiner schleifen.
240-320 PU, Nitro, Acryllack Vorbereitung für Folgeanstrich. Beseitigung von Laufnasen und deutlich sichtbaren Fehlern. Exzenterschleifer mit feiner Haftscheibe, Handschleifen Trocken üblich. Auf Kanten vorsichtig arbeiten, damit kein Durchschliff entsteht.
320-400 Nitro, PU, Acryllack/wasserbasiert Standard-Zwischenschliff. Mattieren. Entfernen kleiner Staubflusen. Handschleifklotz, Schleifschwamm, Exzenterschleifer bei niedriger Drehzahl Für die meisten Zwischenarbeiten ideal. Bei Wasserlackien oft feiner wählen.
400-600 Acryl/wasserbasiert, PU (fein) Feines Mattieren. Beseitigung von feinen Staubeinschlüssen vor Endschicht. Schleifschwamm, Handschleifen, gelegentlich Exzenterschleifer Bei wasserbasierten Systemen gut geeignet. Nassschliff möglich für glattere Oberfläche.
600-1000 PU, Acryl, Klarlack vor Politur Feinbearbeitung vor Politur. Entfernen sehr feiner Kratzer und Orangenhaut. Feines Nassschleifpapier, Schleifpad, Handschleifen Nassschliff empfohlen. Danach Politur zur Hochglanz-Wiederherstellung.
>1000 Hochglanzlacke, Endpolitur Zwischenschliff nur bei sehr feinem Finish oder vor finaler Politur. Nassschliffpapier, Polierpaste, Schleifpad Vorrangig für Polierarbeiten. Nicht notwendig bei jedem Zwischenschliff.

Praxisempfehlung kurz

Für die meisten Zwischenschliffe ist P320 bis P400 eine gute Wahl. Nutze grobere Körnungen nur, wenn es wirklich Unebenheiten gibt. Verwende feinere Körnungen oder Nassschliff vor dem Polieren. Arbeite an Kanten lieber von Hand. Große Flächen kannst du mit dem Exzenterschleifer bearbeiten. Teste das Verfahren immer an einem Musterteil. So vermeidest du teure Fehler und erhältst gleichmäßigere Ergebnisse.

Wie du die richtige Körnung wählst

Wenn du unsicher bist, welche Körnung beim Zwischenschliff passt, hilft eine kurze Analyse. Schau dir den Lack, den Zustand der Oberfläche und dein Ziel an. Diese drei Punkte entscheiden meist über die richtige Wahl. Im Zweifel gilt: erst testen. Ein kleiner Probeschliff an einer unauffälligen Stelle spart später viel Arbeit.

Leitfragen zur schnellen Einschätzung

Wie schlimm ist die Oberfläche beschädigt oder uneben? Wenn du deutliche Läufer, Tropfen oder tiefe Kratzer siehst, brauchst du eine gröbere Körnung. Typisch sind P180 bis P240 zum Nivellieren. Bei nur kleinen Unebenheiten reicht P240 bis P320.

Welcher Lacktyp liegt vor? Bei nitrozellulose- und PU-Lacken ist Zwischenschliff mit P240 bis P400 üblich. Bei wasserbasierten Acryllacken wählst du eher feiner. Das liegt an der empfindlichen Oberfläche. Hier sind P320 bis P400 oft besser.

Welchen Glanz willst du erreichen? Für mattieren vor dem nächsten Anstrich reicht P320 bis P400. Wenn du ein sehr glattes Finish für anschließende Politur brauchst, gehst du bis P600 bis P1000 und schließt mit Nassschliff ab.

Kurze Entscheidungshilfe

Ist die Oberfläche stark beschädigt, beginne mit P180–P240. Bei normalen Zwischenarbeiten nimmst du P320–P400. Vor Politur oder bei wasserbasierten Lacken greifst du zu P400–P600 und nutze Nassschliff, wenn du maximale Glätte willst. Arbeite Kanten und empfindliche Stellen lieber von Hand.

Fazit und Praxisempfehlung

Wenn du unsicher bist, mach zuerst einen Probeschliff an einer unauffälligen Stelle. Fang eher feiner an und steigere die Körnung nur bei Bedarf. So vermeidest du Durchschliff und bekommst schneller ein gleichmäßiges Ergebnis.

Schritt-für-Schritt: Zwischenschliff nach jedem Lackauftrag

Diese Anleitung führt dich strukturiert durch den Zwischenschliff. Sie hilft bei Planung, Körnungsauswahl, Technik und Vorbereitung der nächsten Schicht. Arbeite ruhig und methodisch. Teste kritische Schritte an einem Musterstück.

1. Planung und TrocknungszeitBeachte die Trocknungszeiten des verwendeten Lacks. Nitrocellulose ist oft nach 15 bis 60 Minuten oberflächlich trocken und anschließend schleifbar. Einkomponenten-Acryllacke brauchen typischerweise 30 Minuten bis mehrere Stunden. Zwei-Komponenten-PU-Systeme sind häufig nach 6 bis 24 Stunden schleifbar. Prüfe das technische Datenblatt des Herstellers. Zu frühes Schleifen kann Verschmieren und mangelnde Haftung verursachen.

2. Sichtprüfung vor dem SchleifenUntersuche die Oberfläche auf Staubeinschlüsse, Läufer und Orangenhaut. Markiere größere Stellen. Entscheide, ob Nivellieren nötig ist oder nur Mattieren.

3. Körnung wählenBei starken Unebenheiten beginne mit P180 bis P240. Für normale Zwischenarbeiten wähle P320 bis P400. Für feine Vorarbeit vor Politur wähle P600 bis P1000 und nutze Nassschliff. Bei wasserbasierten Lacken tendenziell eine feinere Körnung wählen.

4. Werkzeug und EinstellwerteFür große Flächen eignet sich ein Exzenterschleifer mit feiner Haftscheibe. Stelle geringe Drehzahl und sanften Anpressdruck ein. Kanten und Profile immer von Hand mit Schleifklotz oder Schleifschwamm bearbeiten. So vermeidest du Durchschliff.

5. SchleiftechnikSchleife in leichten, gleichmäßigen Zügen. Arbeite stets mehrmals mit feiner Körnung statt heftig mit grober Körnung. Überlappe Bahnen. Bei Handarbeit nutze einen Schleifklotz, um flache Flächen zu behalten.

6. Nass- oder TrockenverfahrenFür sehr feines Finish und vor Politur ist Nassschliff ab P600 zu empfehlen. Bei Nassschliff verwende geeignetes Nassschliffpapier und sauberes Wasser. Trocken schleifen ist bei den meisten Zwischenarbeiten üblich.

7. StaubentfernungNach dem Schleifen gründlich absaugen. Anschließend mit einem leicht feuchten Tuch oder mikrofasertuch abwischen. Verwende zum Schluss ein fusselfreies Tuch oder ein spezielles Tack- oder Reinigungstuch.

8. KontrolleUntersuche die Fläche im schrägen Licht. Kleine Kratzer stechen so hervor. Fühle die Fläche mit der Handfläche. Korrigiere Stellen bei Bedarf mit feinerer Körnung.

9. Vorbereitung für die nächste SchichtStelle sicher, dass die Oberfläche staubfrei und trocken ist. Verwende gegebenenfalls einen Staubfänger oder Filtertuch. Trage den nächsten Lackauftrag gemäß Herstellerangaben auf.

10. SicherheitshinweiseTrage Atemschutzmaske für Lack- und Feinstaub. Benutze Schutzbrille und Handschuhe. Sorge für gute Belüftung. Entsorge gebrauchte Schleifpapiere und Lappen sicher. Arbeite nicht in geschlossenen, schlecht belüfteten Räumen mit brennbaren Lösungsmitteln.

Kurzer Tipp: Wenn du unsicher bist, führe einen Probeschliff an einer unauffälligen Stelle durch. So erkennst du Wirkung der Körnung und verhinderst teure Fehler.

Häufige Fragen zum Zwischenschliff

Welche Körnung nehme ich für welchen Lacktyp?

Für Nitrocellulose- und PU-Lacke sind P240 bis P400 üblich für den Zwischenschliff. Bei wasserbasierten Acryllacken wählst du meist feiner, etwa P320 bis P400, um die empfindliche Oberfläche zu schonen. Bei groben Fehlern oder Läufern beginnst du mit P180 bis P240 und arbeitest dann feiner nach.

Was ist der Unterschied zwischen Nass- und Trockenschliff?

Nassschliff reduziert Staub und führt zu einer sehr glatten Oberfläche. Er eignet sich ab etwa P600 für Feinarbeiten vor der Politur. Trockenschliff ist schneller und praktisch für die üblichen Zwischenarbeiten mit P240–P400. Beachte die Herstellerangaben des Lacks, bevor du Wasser einsetzt.

Wie erkenne ich, ob ausreichend geschliffen wurde?

Schaue die Fläche im schrägen Licht an. Kleine Kratzer und Unebenheiten treten so deutlich hervor. Fühle die Oberfläche mit der Handfläche. Sie sollte gleichmäßig matt sein und keine tiefen Riefen zeigen.

Welche Körnung nutze ich für Hochglanz?

Für Hochglanz gehst du sehr fein vor. Vor der Politur sind oft P600 bis P1000 nötig, gefolgt von Nassschliff mit noch feinerem Papier bis P2000 für ein spiegelndes Ergebnis. Danach polierst du mit geeigneten Polituren, um den endgültigen Glanz zu erreichen.

Was tun bei einer durchgeschliffenen Stelle?

Stopp sofort das Schleifen an der Stelle. Reinige die Fläche und beurteile den Schaden. Kleinere Durchschliffe kannst du mit feinem Füllmittel oder einem dünnen Spotlack ausbessern und anschließend mit feiner Körnung wieder angleichen. Bei größeren Stellen trägst du besser eine dünne Ausbesserungsschicht auf und schleifst dann das gesamte Feld gleichmäßig nach.

Hintergrund: Körnung und Zwischenschliff verständlich erklärt

Was bedeuten die Körnungszahlen?

Körnungszahlen geben an, wie fein oder grob das Schleifmittel ist. Höhere Zahlen stehen für feinere Körner. Die FEPA-Norm benutzt ein P vor der Zahl, zum Beispiel P320. Die amerikanische ANSI-Skala hat eigene Zahlen. Die beiden Systeme sind nicht identisch, aber die Richtung ist gleich. Wenn du ein Schleifpapier auswählst, achte auf das P, wenn du nach europäischen Angaben suchst. Im Zweifel hilft ein Blick auf die Herstellerangaben.

Wie beeinflusst die Körnung die Oberflächenrauheit?

Grobe Körnungen hinterlassen tiefe Riefen. Solche Riefen sind mit Lack später sichtbar. Feine Körnungen erzeugen nur sehr feine Kratzer. Die Oberfläche wirkt dann matt und eben. Feinstkörnungen führen zu glatteren Flächen, die sich besser polieren lassen. Ein praktisches Beispiel: Mit P180–P240 beseitigst du Läufer und starke Unebenheiten. Mit P320–P400 mattierst du normal für den nächsten Lackauftrag. Mit P600+ bereitest du die Fläche für Politur vor.

Unterschiede zwischen Schleifmitteln

Siliziumkarbid, kurz SiC, ist sehr scharf. Es eignet sich gut für Nassschliff und für harte Materialien. Aluminiumoxid ist robust und weit verbreitet. Es funktioniert gut auf Holz und lackierten Flächen. Schleifschwämme sind flexibel. Sie folgen Konturen und schonen Kanten. Wähle das Material nach Einsatz: Nassschliff mit SiC bei feinem Finish, Aluminiumoxid für Alltagsschliff, Schwämme an Rundungen.

Warum Lacktyp und Schichtdicke wichtig sind

Dünne Lackschichten vertragen kein grobes Schleifen. Du riskierst Durchschliff. Empfindliche Wasserlacke sollten feiner behandelt werden. Dicke PU-Schichten erlauben gröbere Körnungen zur Nivellierung. Zwei-Komponenten-Systeme härten anders aus. Beachte die Herstellerangaben zur Schleifbarkeit. Teste an einer unauffälligen Stelle, wenn du unsicher bist.

Wie feine Körnungen den Glanz beeinflussen

Feine Körnungen entfernen grobe Kratzer und verringern die Streuung des Lichts. Das Ergebnis ist mehr Glanz. Für Hochglanzarbeit schleifst du stufenweise immer feiner. Abschließend folgt oft Nassschliff und Politur. So erhältst du ein spiegelndes Finish ohne sichtbare Schleifspuren.

Do’s und Don’ts beim Zwischenschliff

Fehler beim Zwischenschliff führen oft zu sichtbaren Mängeln oder unnötiger Nacharbeit. Schleifkratzer, durchgeschliffene Stellen oder Staubeinschlüsse entstehen schnell. Vermeide gängige Anfängerfehler, um Zeit und Material zu sparen. Die folgende Gegenüberstellung zeigt typische Fehler und das jeweils bessere Vorgehen.

Don’t Do
Falsche Körnung wählen, zu grob für feine Lackschichten. Passende Körnung wählen. Für Zwischenschliff meist P320–P400. Bei starker Nivellierung P180–P240.
Zu grob schleifen statt vorsichtig mattieren. Riskierst Durchschliff. Vorsichtig mattieren. Lieber feiner arbeiten und bei Bedarf erneut schleifen.
Schleifstaub nicht entfernen und direkt neu lackieren. Oberfläche gründlich reinigen. Absaugen, mit Mikrofasertuch abwischen oder tacken.
Schleifmaschine mit hohem Druck führen. Untreue Flächen und Brandspuren möglich. Gleichmäßiger, leichter Druck an der Maschine. Niedrige Drehzahl bei empfindlichen Lacken.
Kanten maschinell übermäßig bearbeiten und Kanten ausdünnen. Kanten von Hand schleifen mit Klotz oder Schwamm, um Durchschliff zu vermeiden.
Ohne Testbereich arbeiten und an kritischer Stelle Fehler produzieren. Erst einen Probeschliff an einer unauffälligen Stelle durchführen. Wirkung prüfen, dann großflächig arbeiten.

Halte dich an diese Do’s. So vermeidest du die häufigsten Probleme und erreichst gleichmäßigere, langlebigere Ergebnisse.